Green New Deal = Grüner Wirtschaftsmotor für Deutschland?

15 Dez

Das Thema Klimarettung ist allgegenwärtig.

Green New Deal

Green New Deal

Handle es sich um Klimakonferenz in Cancun, diverse Debatten im Bundestag oder in vielen weiteren Diskussionen um Entwicklung, Globalisierung oder das Wetter. Wie schon im Artikel Corporate Social Responsibility – bloß ein Verkaufsargument? von Lena angesprochen, hat man jedoch oft seine Zweifel an der Ernsthaftigkeit der Klimadiskussion. Beschäftigen sich Unternehmen wirklich mit der Rettung des Klimas und der Erde, oder ist alles doch nur einer Imagekampagne?

In der vergangenen Woche überschlugen sich die Ereignisse an der HWR. Zu Gast war Frau Dr. Renate Künast, Spitzenpolitikern der B’90 / Die Grünen und Kandidat für die Bürgermeisterwahl in Berlin 2011. Ihr Referat zum Thema Green New Deal wurde folglich als Werbeveranstaltung gesehen. Allerdings thematisierte sie vorwiegend die Entwicklungsmöglichkeiten der Deutschen Unternehmen im globalen Markt durch nachhaltige und grüne Technologie. Bekannt durch Ihre Umweltschutzaktivitäten und die Besinnung auf nachhaltiges Wirtschaften, sprach sich Frau Künast in ihrem einstündigen Vortrag auch für eine Stärkung des Umweltbewusstseins und ein starkes Deutschland beim Umweltschutz aus.

First-Mover Vorteil sichern

Neben verfügbaren Technologien und den finanziellen Mitteln, könnte sich die BRD den -wie sie sagt – ‚First-Mover’ Vorteil sichern und ‚Vorreiter’ in diesem Bereich sein. Damit können insbesondere den Emerging Markets umweltfreundliche und effiziente Technologie bei der Entwicklung helfen. Darüber hinaus winkt für Deutschland ein profitables Geschäft. Wie bereits in meinem letzten Artikel, setzen immer mehr deutsche Hersteller und Unternehmen auf nachhaltige und effiziente Produktion. So werden z.B. alle Kleidungsstücke von Sybille Hein ausschließlich aus 100% Bio-Baumwolle (mit GOTS-Label) sowie sämtliche Druckeinheiten aus schadstofffreien Öko-Farben produziert. Ziel: Ein Alleinstellungsmerkmal generieren und Wettbewerbsvorteile gegenüber Konkurrenten schaffen.
‘Je einzigartiger ein Unternehmen sich in der Öffentlichkeit darstellt, desto intensive verankert sich dieses Image im Markt und in den Zielgruppen.’(Alleinstellungsmerkmale entwickeln – Von Hans-Jürgen Borchardt)

Entwicklung in Deutschland

Während meines Praktikum hatte ich die Möglichkeit, mich direkt mit dem Thema CSR innerhalb eines Konzerns auseinanderzusetzen. Die Aufgabe bestand darin, eine Nachhaltigkeitsstrategie für die Thomas Cook AG Deutschland zu entwickeln. Gerade in der Tourismusbranche spielt Nachhaltigkeit eine zentrale Rolle. Sind Urlaubsgebiete zerstört und/oder überwirtschaftet verlieren sie den Anreiz und die Besucher bleiben aus. Die Folge sind sinkende Umsätze und Gewinne für die Unternehmen. Daher wurde u.a. die Nachhaltigkeitsinitiative Futouris e.V. gegründet, CSR-Reports (z.B. TUI)  erstellt, Umwelt- und Qualitätsmanagements eingeführt, Marketingmaßnahmen und Verordnungen erlassen gestartet. Doch wie verteilt sich dieses Engagement in Deutschland?

Grafik 1

Grafik 1

Nur knapp etwas über die Hälfte der 591 von 4000 umsatzstärksten Betriebe und Dienstleistungsunternehmen haben ein CSR-Engagement. Dies bestätigt die Vermutung vieler Deutscher deutlich. Wie schon Frau Künast sagte, hat Deutschland die Möglichkeit als ‚First Mover’ voranzugehen, schließlich hat Deutschland exzellente Voraussetzungen dafür – genutzt wird dies jedoch noch viel zu selten.

Arnd Grewer von der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen schrieb am 14.09.2009 als Kommentar zu Wirtschaftskrise und ökologischer Green New Deal sagt, dass sich mit dem Green New Deal eine Millionen neuer Jobs schaffen lassen und bis 2030 100% des Stroms aus regenerativen Energien erzeugen lässt.

Auch die Ziele des CSR in Deutschland sind enttäuschend.

Grafik 2

Grafik 2

Kunden müssen es sich leisten können!

Neben der Kommunikation der sozialen Verantwortung spielen vor allem die Integration in das gesellschaftliche Umfeld und trauriger Weise die Imageverbesserung eine zentrale Rolle bei der aktiven Verfolgung von CSR.
Wie im Tourismus findet man auch in vielen anderen Branchen Zurückhaltung bei der Investition in erneuerbare Energien, Nutzung effizienterer Maschinen und Umsetzung weiterer nachhaltiger Maßnahmen vor allem durch die finanzielle Belastung. Daher wurde in der Tourismusbranche z.B. die Plattform Atmosfair ins Leben gerufen. Hier hat jeder Tourist die Möglichkeit, für seine Reise die Umweltverschmutzung durch einen finanziellen Ausgleich zu kompensieren. Darüber hinaus gibt es spezielle klimafreundliche Reiseveranstalter, die dann leider oft teurer sind.

Digitale Geschäftsmodelle, Nachhaltigkeit und cross-selling

Digitale Geschäftsmodelle sind meist ausschließlich Vertrieb. Wie in diesem Blog bereits thematisiert, funktioniert cross-selling im online Bereich sehr gut. Allerdings scheint die Vereinbarkeit von nachhaltigem Wirtschaften und digitalen Geschäftsmodellen auf den ersten Blick etwas schwierig zu sein. Gemäß der Europäischen Union definiert sich CSR als ein System, „das den Unternehmen als Grundlage dient, auf freiwilliger Basis soziale Belange und Umweltbelange in ihre Unternehmenstätigkeit und in die Wechselbeziehungen mit den Stakeholdern zu integrieren.“ Was genau verbirgt sich also alles unter CSR? Lediglich gute Arbeitsbedingungen und Einhaltung gesetzlicher Bestimmungen. Dr. Patrick Strähler, Forscher im Bereich Geschäftsmodellinnovationen, erläutert, dass nicht die technologische Innovation entscheidend ist, sondern das daraus abgeleitete innovative, kundenzentrierte Geschäftsmodell. Wie kann also ein Unternehmen CSR für sich als Differenzierung zum Konkurrenten nutzen und mit Hilfe von nachhaltigem Wirtschaften erfolgreich sein? Zögern sie nicht uns Ihre Meinung mitzuteilen, schließlich gilt es eine lebenswerte Umwelt für unsere Kinder zu garantieren!

Eine Antwort to “Green New Deal = Grüner Wirtschaftsmotor für Deutschland?”

  1. Sebastian Dezember 15, 2010 um 6:35 pm #

    Lieber Danny,

    schade, dass Frau Künast diese Plattform geboten wurde. Die Grünen agieren gegen die Bahn, gegen Bahnhöfe, gegen niedrige Spritpreise, gegen Atomkraft… kurzum: GEGEN was sind sie eigentlich nicht? Sie betreiben Klientel-Politik und das wird nun bis ins Detail ausgefochten; auch auf Kosten der Studenten der HWR—leider sicher auch auf Kosten einer stabilen Regierung für Berlin; mit der wir im übrigen ja jetzt auch schon nicht aufwarten können.

    Die Stadt zerfällt und wenig finanzieller Spielraum ist da; für Bildung, Aufstockung der Kitaplätze und dem Bau von Straßen wird nicht auf die Sprünge geholfen. Wir leben heute weiter das Leben auf Kosten unserer Kinder. Nun hiermit der Bogen zu Deinem „grünen“ Thema.

    Ich sehe im CSR – wie Du im letzten Absatz schreibst – eine PR-Form der Neuzeit. Man differenziert sich vom Mitbewerber, ohne aber dem Kunden, also z.B. mir als Fluggast einen nennenswerten Vorteil zu erbringen. Man arbeitet mit dem Gefühl der Kunden; dem (ich will es hier mal so nennen) „Social ich will dabei sein und helfen Syndrom“. Denn was habe ich davon, bei meinem ohnehin umweltverpestenden Urlaubsflug auf die Kanaren, fünf Euro mehr zu bezahlen und damit zu vergessen, wie schädlich unsere moderne Mobilität eigentlich ist. Aber man fühlt sich (als Kunde) dann eindeutig besser.

    Rückt nicht der eigentliche Gedanke des CSR völlig in den Hintergrund und ist es nicht nur alleine ein Politikum, bzw. die eben schon genannte Werbekampagne?

    Was wirklich schade ist, dass sich die Umfragen alleine auf große Unternehmen beziehen (wie eigentlich immer in der HWR). Denn kleine Unternehmen – und diese machen in Deutschland den größten Teil der Unternehmen mit sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnissen aus (Quelle: Vortrag im Kurs Nachfolge im WS09/10 bei Frau Prof. Felden, u.a.) – sind die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen stärker eingebunden Unternehmen in soziale Verantwortung; leider können gerade diese sich Spielereien wie CSR meistens nicht leisten.

    Ob am Ende wirklich soziale Verantwortung der Grund für das Engagement ist, steht in den Sternen. Wenigstens wird es uns so verkauft, dass wir es glauben (wollen).

    Und noch etwas: Hoffentlich werden sich bei der nächsten Berlin-Wahl (18.09.2011) alle fragen, ob die Künast-Partei nicht vielleicht doch zu stark an Atomkraftwerk-Einnahmen beteiligt ist (Bsp.: Kernkraftwerk Isar, Niederbayern) und machen das Kreuz woanders!

    Denn Grün ist nicht gleich grün!

    SW

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: